Vincent Kompany – Der Meistertrainer?
Vincent Kompany – Der Meistertrainer. Es sieht sehr danach aus, als würde das bald Realität werden. Und das nach einer wochen-, nein, monatelangen Suche nach einem geeigneten Trainer. Wie viele Namen wurden uns fast täglich (oder war es stündlich?) als möglicher Trainer unseres FC Bayern präsentiert. Wieviel Häme wurde über Max Eberl und dem gesamten FC Bayern ausgeschüttet. Der Ausdruck „FC Hollywood“ mehr als strapaziert.
Und dann war da plötzlich Vincent Kompany. Ein Trainer, der von einem eher unbekannten Verein kam. Ein Trainer mit wenig Erfahrung. Ein Trainer, den kaum jemand wirklich kannte. Ein Trainer, der im Gegensatz zu Julian Nagelsmann wenig sagt. Aber wenn er etwas sagt, dann bewegt das Fans und Sportler gleichermaßen. Inzwischen sitzt er längst auch mal alleine in den Pressekonferenzen, nicht mehr ständig flankiert von Max Eberl oder Christoph Freund. Und wenn doch, dann demonstriert das mittlerweile eher Zusammenhalt, als Vorsicht.
Von einem Umbruch beim FC Bayern war davor die Rede. Dass so ein Umbruch einige Zeit dauern könnte, war uns klar. Dass es bei einem Verein wie dem FC Bayern aber schnell gehen muss, auch. Dass es irgendwo dazwischen liegen wird, war also wahrscheinlich. Und jetzt, in seiner zweiten Saison beim FC Bayern, steht Vincent Kompany ganz oben, mit 11 Punkten Vorsprung. Den direkten Verfolger hat sein Team in einem packenden Match in die Schranken verwiesen. Schlagzeilen wie „Kabine verloren“ oder „Unzufriedene Profis“ ploppen zwar ab und zu mal hier und da auf, verschwinden aber auch schnell wieder. Ab jetzt ist es erlaubt, offen von der Meisterschaft zu sprechen. Auch wenn die restlichen Spiele in der Liga nicht zu Gunsten der anderen Wettbewerbe vernachlässigt werden dürfen.
Und jetzt mal ehrlich: Wer hätte Vincent Kompany das alles zugetraut, als er zu uns kam? Auch ich war erstmal abwartend, ob der zweite Versuch mit einem jungen, noch wenig erfahrenen Trainer bei einem Verein wie dem FC Bayern funktioniert. Aber ja, tut er. Und zwar aus Gründen, die ich schon von Anfang an genannt habe: Vincent Kompany kann in Ruhe arbeiten. Er ist kein erfahrener Thomas Tuchel, der wie Uli Hoeness und Co. ein Alphatierchen ist. So etwas geht selten gut. Er ist auch kein Julian Nagelsmann, der sich rhetorisch in Nebenschauplätzen verliert und dabei kaum zu bremsen ist. Sondern er ist ruhig und fokussiert auf seine Kernaufgabe. Er gibt wichtigen Persönlichkeiten im Verein nicht das Gefühl, ihnen das Wasser abgraben zu wollen. Man könnte sagen, er war als Trainer noch „formbar“ für den FC Bayern. Man konnte aus ihm genau den Trainer machen, den man haben wollte. Das klingt etwas negativ, ist aber nicht so gemeint. „Formbar“ im Sinne von „Bereit, zu lernen“. Und genau so jemanden hat der FC Bayern gebraucht. Jeder hat seine Rolle, seine Kompetenzen, die er nicht überschreitet. Das gilt für den Trainer genauso wie für plötzliche Besuche vom Tegernsee. Und solange das so bleibt, funktioniert es auch. Und wir dürfen von ein paar weiteren Meisterschalen und Pokalen träumen.