Vincent Kompanys Rede
Vincent Kompanys Rede zu den Vorfällen um Vinícius Júnior geht durch die Medien. Wahrscheinlich jede und jeden hat sie in irgendeiner Weise berührt. Auch mich. Auch ich finde, es hat selten jemand so gut, so offen, so verständlich zu diesem Thema gesprochen. Eine klare Meinung, aber trotzdem nicht wertend.
Vincent Kompany hat all meinen Respekt für diese Rede. Aber sie macht mich auch sehr nachdenklich. Dass er einen Grund bekommen hat für diese Rede sowieso. Rassismus in jeglicher Form hat in unserer Gesellschaft und ganz besonders im Sport nichts zu suchen. Es macht mich jedes Mal fassungslos, was aus unserem geliebten Sport geworden ist. War der Fußball nicht einmal genau dazu da, eben diese Grenzen zu überwinden? Um zu zeigen, dass vermeintliches „Anderssein“ kein Grund für Hass und Häme ist? Dass wir alle, egal welcher Herkunft oder Hautfarbe, gemeinsam für ein Ziel stehen?
Ich erinnere mich noch gut an meine Grundschulzeit. Wir hatten KlassenkameradInnen aus anderen Kulturen. Als sie uns das erste Mal zu sich nachhause eingeladen hatten, haben wir uns überlegt: Machen wir alles richtig? Müssen wir die Schuhe vor der Tür ausziehen? Ist es schlimm, wenn wir kein Kopftuch tragen? Wir wollten nichts falsch machen. Aber wir haben schnell gelernt, dass wir gar nichts falsch machen können. Keiner war uns böse, wenn wir andere Gepflogenheiten hatten. Wir haben uns so akzeptiert, wie wir waren. Wir haben uns auf die Gemeinsamkeiten konzentriert, gemeinsames Spielen, gemeinsamen Sport. Und was wir nicht kannten, das haben wir mit Interesse gelernt. Auch dafür waren Sportvereine da. Um genau das zu lernen, zu verstehen. Um Zusammenhalt zu zeigen.
Respekt hat Kompany vor allem deswegen bekommen, dass er trotz klarer Positionierung die Türen für alle offen gelassen hat. Für einen Dialog. Das schafft in der Form nicht jeder. Aber es ist für mich erschreckend, dass dieses Thema in der heutigen Zeit überhaupt immer wieder so ein großes Thema ist. Durch sogenannte Fans, sogar durch Spieler selbst. Und vor allem, dass es für Vincent Kompany so ein emotionales Thema geworden ist, weil er vieles davon selbst erlebt hat.
So bemerkenswert ich seine Rede finde, so sehr macht sie mich sprachlos. Macht es mich immer wieder sprachlos, dass solche Reden überhaupt gehalten werden müssen…