Nationalmannschaft / International

Klopp als One-Man-Show?

Nagelsmann als Bundestrainer ist also Geschichte. „Herr Nagelsmann“ als Bundestrainer ist Geschichte. Soviel Zeit muss sein. Wenig Zeit brauchten die über 80 Millionen weiteren Bundestrainer, um einen
möglichen Nachfolger für ihn zu finden. So schnell, wie noch nie. Und von so vielen gefordert, wie noch nie. Nur, ist er wirklich der Richtige?

Klopp ist erfahren genug, um zu wissen, worauf er sich einlässt. Oder ob er nur seinem Lebenslauf noch den Job des Bundestrainer hinzufügen wird. Seinen guten Ruf hat er ja schon mal ruiniert. Lange angehalten haben die negativen Vibes allerdings nicht.

Immer wenn irgendwo ein Trainer gehen muss – oder auch, wenn Julian Nagelsmann irgendwo gehen muss, werden die Rufe nach Klopp laut. Früher war das mal Jupp Heynckes, nun eben Jürgen Klopp.
Weil er schon einige Erfolge auf seinem Konto verzeichnen kann. Und weil er gerade keinen Trainerposten besetzt. Einen Vertrag hat er trotzdem. Den dürfte man aber auflösen können.

Trotzdem ist ein Schnellschuss bei der Verpflichtung eines neuen Bundestrainers nicht angesagt. Zumal wenn es einer ist, der offensichtlich viel Gehalt fordert. Was nicht die einzige Forderung bleiben wird.

Ich sage es gleich, mein Favorit ist Klopp nicht. Ein Bundestrainer ist für mich mehr als nur ein Trainer. Er sollte auch ein bisschen wenigstens ein „Sir“ sein. Das ist Klopp für mich nicht.
Er mag bei einigen Spielern viel Ansehen genießen, er hat manchen Spieler weit gebracht. Aber das war als Vereinstrainer, als solcher er fast täglich Einfluss auf die Spieler nehmen kann. Als Bundestrainer hat er diese Möglichkeit nicht.

Klopp selbst hat kürzlich in einem Interview bei „Servus TV“ gesagt, dass der Posten des Trainers nicht allein ausschlaggebend für den Erfolg der Nationalmannschaft sei.
Der kluge Trainer baut also vor.
Klopp weiß, das er nur gewinnen kann. Denn viel schlimmer kann es nicht mehr werden. Und man braucht ihn. Er weiß, man will oder muss ihm alles geben. Allein dadurch wird er gewinnen.

Oder er wird verlieren. Sein Ansehen, das aber ja durch seinen Wechsel zum Konzern mit dem Flügelverleih-Getränk sowieso schon mal kurz angeknackst war.

Klopp weiß auch, dass der Trainer offensichtlich nicht das alleinige Problem beim DFB ist. Und deswegen wird er Einfluss nehmen wollen. Will er sowieso. Er ist einer, der nach außen witzig sein – und nach innen die Macht haben will.
Sind alle Verantwortlichen beim DFB bereit, ihm diesen Einfluss zu geben? Thomas Tuchel gab man ihn beim FC Bayern nicht. Deswegen ist die Zusammenarbeit gescheitert. Ist es aber gut, Klopp diese Macht zu geben? Anders wird es nicht gehen. Vielleicht ist auch genau das der Punkt, der die deutsche Nationalmannschaft wieder auf Kurs bringen würde. Die alten Strukturen aufbrechen.
Denn Spieler kann keiner aus dem Hut zaubern, keinen Mbappé, keinen Kane, keinen Messi oder Haaland, die immer irgendwie treffen.
Spieler aufbauen geht als Nationaltrainer ebenfalls kaum. In dem Bereich kann auch ein Jürgen Klopp nur bedingt etwas verbessern. Ein Team, einen Zusammenhalt kann er vielleicht schaffen, besser als Nagelsmann.
Klopp muss also woanders ansetzen, nicht bei der vorhandenen Qualität der Spieler. Und er war noch nie ein Trainer, der sich gerne viel reinreden ließ in seine Arbeit. Wozu auch. Ob der DFB allerdings als One-Man-Show funktionieren kann, wird sich zeigen.

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