Die WM der widersprüchlichen Gefühle
Jetzt geht sie also tatsächlich los, diese WM. Erinnerungen an die WM 1986 in Mexiko werden kurz wach. Auch Erinnerungen an eines der ersten großen Frauen-WM-Turniere 1971 im mexikanischen Aztekenstadion. Die Stimmung: gigantisch. Wer den Film „Copa‘ 71“ noch nicht gesehen hat, es ist wirklich ein fußballerisches Highlight. Mit beiden Turnieren scheint die anstehende WM jedoch wenig gemeinsam zu haben.
Bin ich in WM-Stimmung? Bisher noch nicht. Ist vielleicht aber auch dem aktuellen gefühlt fast schon Wintereinbruch geschuldet. Die weitaus größere Frage ist jedoch: Darf ich in WM-Stimmung sein? Seit einigen Jahren wird einem das schönste aller Fußballfeste ja regelrecht verleidet. Sogar den Spielern, die sich freuen, für ihr Land auserwählt worden zu sein. Aber vor allem uns Fans. Doch selbst dabei sind wir zwiegespalten. Einerseits heißt es seit ein paar Jahren, man solle eine WM in manchen Ländern aus verschiedenen Gründen nicht unterstützen. Andererseits tut uns ein junger Lennart Karl unsagbar leid, da er die WM nun verpasst. Wie passt das zusammen?
Nach dem Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Finnland kam sogar kurz die Hoffnung zurück, unser Team könne zumindest das Achtelfinale überstehen. Trotz schwerer Gegner. Diese Hoffnung war nur wenige Tage später beim letzten Test vor dem Turnier wieder weg.
Selbst die Hoffnung, dass unsere Spieler ohne größere Verletzungen vom Turnier zurückkommen, hat bereits einen gewaltigen Knacks.
Es bleibt also in jeder Hinsicht, sportlich, politisch und wahrscheinlich auch ergebnistechnisch eine WM der widersprüchlichen Gefühle.