Bundesliga

Neuer oder Urbig?

Neuer oder Urbig, das ist die Diskussion der letzten Tage. Und dass diese Diskussion die Gespräche der Bayernfans beherrschen wird, war nach 8,5 Sekunden in Augsburg klar. Wer meinen Block schon länger liest, der weiß, dass ich schon lange vor Manuel Neuers Skiunfall damals gesagt habe, dass seine beste Zeit vorbei ist. Das heißt aber nicht, dass er nicht weiterhin einer der weltbesten Torhüter ist. Oder dass man ihn jetzt von heute auf morgen aus dem Tor verbannen sollte.

Es war ein blöder Fehler im Spiel gegen Augsburg, keine Frage. Aber Fehler bei Torhütern wirken nunmal in der Regel schwerer als bei Feldspielern. Und fallen deutlich mehr auf. Und was ist, wenn Jonas Urbig in einem Spiel auch so ein Fehler passiert? Und es wird irgendwann passieren. Denn keiner ist davor gefeit. Suchen wir dann einen weiteren Torwart?

Es stimmt, dass sich die Fehler bei Manuel Neuer inzwischen etwas häufen. Wie bei fast allen Weltklassetorhütern am Ende ihrer Karriere. Schumacher, Illgner, Kahn – sie alle hatte diese Patzer. Der Vorteil ist, und das hat auch Vincent Kompany schon in der Pressekonferenz angedeutet, Manuel Neuer ist erfahren genug, dass er damit umgehen kann. Ein kollegialer Abklatscher kurz danach genügt. Bei Jonas Urbig könnte das vielleicht anders aussehen. Junge Spieler können mit solchen Fehlern oft noch nicht so gut umgehen.

Wenn jetzt also die Diskussion darum geht, ob man sofort Urbig im Tor sehen sollte, bin ich tatsächlich dagegen. Dass er diese Saison mehr Spiele bekommen soll als in der vorherigen, das steht außer Frage. Aber nur wegen diesem Neuer-Fehler jetzt den Entwicklungsprozess von Jonas Urbig zu durchbrechen, würde ihm meiner Meinung nach mehr schaden als nutzen. Es geht dabei ja nicht nur um Leistung. Die zeigt Jonas Urbig ohne Zweifel. Aber es geht auch um etwas, das mindestens ebenso wichtig ist. Nämlich die Erfahrung, wie man mit verschiedenen Situationen umgeht. Wie man mit genau solchen Fehlern umgeht. Wie man mit der Diskussion um die eigene Person umgeht. Alles, was gerade im Umfeld des FC Bayern nochmal um einiges heftiger ausfällt, als bei anderen Vereinen. Und da kann, soll und muss Jonas Urbig noch diese Saison nutzen, um all das zu lernen. Von daher meine Meinung zu dieser Diskussion: Wir sollten nicht fragen „Neuer oder Urbig“, sondern froh sein, dass wir beide haben.

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