Vercoacht? Es nervt!
Die Diskussion „Nagelsmann weg, Klopp muss her“ ist durch. Also muss offenbar der nächste Trainer herhalten für unsere mittlerweile bestimmt weit über 80 Millionen Bundestrainer.
Was ich aktuell ständig lese ist die Frage „Hat Tuchel sich vercoacht?“ Warum hat er sich bei den Einwechslungen beim Stand von 1:0 für eine defensive Lösung entschieden, also das 1:0 halten, statt für die offensive Variante?
Zunächst einmal ist Thomas Tuchel bekannt für seine gut durchdachten und meistens erfolgreichen Einwechslungen. Auch dieses Mal hat er sicher ein Ziel damit verfolgt.
Die Schuld beim Trainer zu suchen, mit dem Modewort „vercoachen“, wie viele gerne machen, ist natürlich die einfachste Lösung. Vercoachen kann so vieles bedeuten und ist doch so nichtssagend. Weil es die jeweilige Situation nicht hinterfragt. Im Fall von England sehe ich die Schuld jedoch nicht beim Trainer.
Thomas Tuchel hat sich für die defensive Lösung entschieden. Leider konnte es das Team nicht umsetzen. Das andere mögliche Ziel (das 2:0) hätten sie allerdings meiner Meinung nach zu diesem Zeitpunkt noch weniger umsetzen können.
Wie deutlich zu sehen war, war das englische Team stehend k.o. Eine andere Einwechslung hätte also vermutlich ebenfalls nicht zum gewünschten Erfolg geführt, vielleicht sogar gleich das Gegenteil bewirkt durch einen Konter der Argentinier.
Dass Argentinien jedes Spiel drehen kann, wusste Thomas Tuchel.
Die Frage, die sich mir vielmehr stellt ist, warum war sein Team physisch nicht mehr in der Lage, den Argentiniern etwas entgegenzusetzen. Waren es die vielen Spiele der einzelnen Spieler in Champions League & Co? Waren es die vielen Reisen während der WM mit den klimatischen Bedingungen vor allem in Mexiko Stadt und in Miami kurz zuvor?
Argentinien hingegen hat getan, was sie die Spiele zuvor auch gemacht haben. 80 Minuten nur das Nötigste und danach einen müden Gegner überrannt. Hat wieder funktioniert.