Nationalmannschaft / International

Wo ist das deutsche Team?

Wo ist das deutsche Team? Das Team aus den ersten beiden Spielen? Meine Erkenntnisse zum bisherigen WM-Verlauf.

1. Nagelsmann, der zu Beginn des WM-Jahres auf den Pressekonferenzen recht erfrischend gewirkt hat, ist wieder zu seiner beleidigt-zickigen „Herr Nagelsmann, bitte“ – Art zurückgkehrt.

Die Frage, ob das Team von Ecuador – das noch Punkte zum Weiterkommen benötigte, und das sowieso eine komplett andere Mentalität hat, als wir Deutschen – eben genau diese Mentalität etwas mehr auf dem Platz gezeigt hat, als das deutsche Team, ist mehr als gerechtfertigt und völlig normal. Aber Nagelsmann reagiert sofort komplett allergisch darauf.

2. Spieler, die in Vereinen eine absolute Bank sind, können das bei der Nationalmannschaft nicht zeigen. Die Nationalmannschaft war der Grund, warum ich der Verpflichtung von Jonathan Tah zum FC Bayern skeptisch gegenübergestanden bin. Aus Vereinsspielen kannte ich Tah zu diesem Zeitpunkt kaum.

Und offensichtlich funktioniert nur das Duo Tah/Upamecano so gut. Dass es ausgerechnet zwischen den Vereinskameraden Neuer und Tah Abstimungsprobleme gibt, ist für mich unverständlich.

3. So leid es mir tut: Die Mitnahme von dem längst zuzurückgetretenen Neuer, der diesen Rücktritt auch immer wieder betont und auf Nachfragen sehr unwirsch reagiert hat, war komplett unnütz.

Hier geht es nicht darum, ob Neuer an den Toren Schuld hat oder nicht. Einige Tore wurden sogar bereits durch Fehler im Mittelfeld verursacht. Es geht einfach darum, dass Neuers Leistung bisher nicht zeigt, dass es ohne ihn schlechter gewesen wäre. Im Gegenteil, es hätte negative Vibes, die dadurch entstanden sind, vom Team ferngehalten.

4. Warum steht Jamal Musiala immer wieder in der Startelf? Statt sich über Leroy Sané aufzuregen, der wirklich viel ackert und lediglich im Abschluss unglücklich ist, sollte man Musiala vielleicht als Joker einsetzen. Für 90 Minuten ist er nach seiner Verletzung noch nicht wieder soweit.

5. Der Undav-Effekt ist verpufft. Eine ganze Nation hat sich über die Tore von Deniz Undav gefreut. Nagelsmann selbst hat erklärt: Die Startelf soll den Gegner müde spielen, Undav dann die Nadelstiche setzen.

Wieso wechselt Nagelsmann ihn dann in einer Phase ein, in der Ecuador keineswegs müde war, sondern ganz im Gegenteil gerade zu einer „Sturm aufs Tor“-Phase ansetzte? Wieso bringt er in dieser Phase nicht z.B. Leon Goretzka, der schon im Spiel zuvor bewiesen hat, mit welchem Einsatz er Tore verhindert?

5. Nach dem Spiel gegen die Elfenbeinküste sah es tatsächlich so aus, als wäre die Nationalmannschaft ein Team. Ein Team, das geschlossen kämpft, sich nicht aufgibt und in dem jeder für jeden rennt. Ich dachte, mit dieser geschlossenen Mannschaftsleistung können sie es endlich mal wieder weit, oder zumindest etwas weiter bringen.

Doch wo ist dieses deutsche Team jetzt? Wo ist dieser Teamspirit geblieben? Warten wir das Spiel gegen Paraguay ab, das ähnlich schwer werden dürfte, wie das gegen Ecuador. Ecuadors Trainer erinnert mich sehr an Klinsmann bei der WM 2006. Er pusht sein Team für diese Wochen bis an die maximale Leistungsgrenze und darüber hinaus.

Auch die Mannschaft von Paraguay ist genau das, ein Team. Und ein ganzes Land steht hinter ihnen. Warten wir dieses Spiel noch ab. Dann sehen wir, ob das Projekt „Nagelsmann als Bundestrainer“ gescheitert ist, oder vielleicht doch noch eine Chance bekommt.

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