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FC Bayern Round Table Katar

Eigentlich eine interessante Idee, diese Veranstaltung. Doch warum waren zu dieser Diskussionsrunde nur Männer eingeladen? Gerade bei einem Land wie Katar, in dem die Rechte der Frauen doch sehr eingeschränkt sind, hätte der FC Bayern mal ein Zeichen setzen können. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Doch die eínzige Frau am Tisch war lediglich auch zum Mitschreiben dabei und wurde von Präsident Hainer nicht nur geflissentlich übergangen bei der Vorstellungsrunde. Nein, Hainer begrüßt auch die“ Zuhörer und Zuseher“ … in der rein männlichen Form. Fällt in der heutigen Zeit mit den (zugegebenermaßen oft übertrieben angewendeten) Genderausdrücken doch massiv auf. Derselbe Hainer, der irgendwann auch das Aber andere machen das doch auch – „Argument“ vorbrachte. Dazu aber später mehr. Gerade bei einem Land wie Katar, wo die Rechte von Frauen doch stark eingeschränkt sind, und nicht mit unseren Wertvorstellungen übereinstimmen, hätte der FC Bayern durchaus von seinem Patriarchat abweichen können.
Ein bisschen scheint der FC Bayern auch Angst gehabt zu haben, dass die Diskussion bei dieser Thematik wieder aus dem Ruder läuft. Der Leiter der Runde, Christoph Heusgen, betonte zumindest einleitend die Hoffnung, dass die Diskussion sachlich verlaufe.

Dass die WM in Katar dem Land durchaus helfen kann, einiges zu verbessern, wie auch der Botschafter von Katar in Deutschland, SE Abdullah Bin Mohammed Bin Saub Al-Thani, betonte, ist vielleicht richtig. Sport kann sicher einiges bewegen. Aber nur, wenn er richtig eingesetzt wird. Doch teilweise schien die Diskussionsrunde für einige der Teilnehmer eine deutliche Werbeveranstaltung für Katar und auch eine Art Rechtfertigung für den FC Bayern, was die Diskussion um das Sponsoring angeht. Wenn die Medien in Deutschland, wie vom Botschafter bemängelt, nur einige negative Themen im Bezug auf Katar behandeln, und die Bedeutung der WM für das Land angeblich nicht verstanden haben, so kann dieses Argument im Umkehrschluss ebenfalls auf Katar und die Ausrichtung der WM zutreffen. Die Seitenhiebe auf die Medien, auch vom ehemaligen Außenminister Sigmar Gabriel, die nur gewisse negative Sachen herausgreifen würden, wirkten weniger als Aufforderung, sondern eher wie Bedenken, dass zu viele negative Dinge ans Licht kommen können. Hätte man sich sparen können.
Natürlich kritisieren wir Deutschen gerne mal vom hohen Roß herunter, aber dadurch haben wir auch gerade in Bezug auf Menschenrechte und Gleichberechtigung einiges erreicht, was andere Länder noch versuchen zu erreichen. „Nicht belehren, sondern über Umsetzungsprobleme sprechen“, meinte dazu Michael Windfuhr, der stellvertretende Leiter des Deutschen Instituts für Menschenrechte, dessen erster Redebeitrag mir mit am besten gefallen hat. Sicher ein guter Ansatz. Michael Windfuhr hat auch Oliver Kahn dazu gebracht, sich eifrig Notizen zu machen. Etwas versteinert wurde dann erwartungsgemäß wieder Kahns Miene bei den ebenfalls guten Redebeiträgen und Erklärungen der beiden FC Bayern-Mitglieder Michael Ott und Robin Feinauer. Sie legten nochmal alle Bedenken der Mitglieder, aber auch vieler weiterer Menschen vor allem hinsichtlich der Menschenrechte in Katar mit Beispielen dar. Gut auch der Einspruch von Michael Ott gegenüber Sigmar Gabriel, dass im Grunde nicht der FC Bayern von sich aus, sondern der FC Bayern aufgrund das Engagement seiner Mitglieder und Fans zu dieser Diskussion geladen hat. Herbert Hainer startete, ebenfalls erwartungsgemäß, gleich wieder seine Gegenargumentation gegenüber den beiden Mitgliedern. Er äußerte, wie bereits erwähnt, sein Unverständnis, dass andere große Firmen sogar in Katar Investoren oder Gesellschafter seien, der FC Bayern aber kein Sponsoring mit Qatar Airways haben dürfe. Dazu kann ich eigentlich nur sagen, nur weil andere etwas machen, rechtfertigt das nicht per se eigene Handlungen.

Gut fand ich auch die Anmerkung von Michael Windfuhr, dass eine WM oder jede andere Sportgroßveranstaltung wahrscheinlich nicht direkt etwas bewirkt, aber den, wie Windfuhr sagte, „Scheinwerfer anstellt“ – also den Fokus auf die Probleme in einem Land wirft. Womit wiederum die Chance besteht, diese zu ändern. Michael Windfuhr brachte in dieser Runde überhaupt einige gute Anregungen vor.
Fazit: Gut, dass das Thema in so einer Runde einmal diskutiert wurde, darüber waren und sind sich wohl alle einige. Im Endeffekt kam aber nicht mehr raus, als man als denkender Mensch eigentlich sowieso wissen sollte. Dass man immer beide Seiten der Medaille sehen sollte. Ich hoffe, dass in Deutschland nicht immer nur das Negative an Katar gesehen wird, und jeder erkennt, dass sich die Menschen dort auch auf die WM freuen. Dass es für sie sicher einmal schön ist, dass die WM eben nicht, wie wir es gewohnt sind, in unserem Sommer stattfindet. Und dass die Organisatoren der WM sowie die Verantwortlichen und Politiker in Katar die Rechte der Menschen, gerade auch von Frauen, mehr anerkennen.
Dass die WM, wie auch Stephen Cockburn von Amnesty International im Rahmen der Diskussion betonte, einiges im Land verändern kann, dass man eine Thematik immer von mehreren Seiten beleuchten sollte, sollte eigentlich klar sein. Ist es aber offensichtlich nicht. Insofern hat die Diskussionsrunde des FC Bayern vielleicht dahingehend einige Menschen zum Nachdenken gebracht. Bleibt die Frage, was überwiegt: Dass die WM dem Land Katar hilft, einiges in Sachen Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Arbeitsrechten usw. zu verbessern – oder sind die negativen Begleiterscheinungen, die bisher bei der Organisation der Veranstaltung entstanden sind, zu groß, und die WM hätte erst in einigen Jahren an Katar vergeben werden sollen. Man darf von Katar nicht zu schnell zu viel fordern, eine für uns klein scheinende Veränderung, ist für Katar vielleicht viel mehr. Aber man kann und sollte auch nicht mit diesem Argument alles schön reden. Denn wir haben zum Glück dieses Verständnis, dass die Würde des Menschen unantastbar ist.

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