Gier
Bundesliga

Nagelsmann – üben, üben, üben

Der FC Bayern hat 3:2 verloren. Normalerweise wäre das jetzt der Startschuss für die nächste, dem Verein schon so zahlreich attestierten und uns bekannten Krisenphasen. Aber diesmal ist es anders. Ganz anders. Rot für Upamecano. Das hat wohl kaum einer in dem Moment nachvollziehen können. Kurz danach der Führungstreffer für Borussia Mönchengladbach. Was macht da eine Mannschaft, die nur noch mit 10 Mann auf dem Platz steht und 0:1 hinten liegt? Und die eine Krise hat? Richtig: Schadensbegrenzung, maximal. Nicht so der FC Bayern an diesem Samstag Nachmittag. Wie die Mannschaft danach gespielt und gekämpft hat, diese Moral, dieser Kampfgeist und vor allem der Mannschaftsgeist, das zeichnet eine wirkliche Spitzenmannschaft aus. Da braucht keiner mehr von Krise sprechen, geschweige denn irgendjemandem Lustlosigkeit unterstellen. Die Mannschaft kann es also, sie haben ein wahnsinniges Potential, spielerisch wie mental. Zumindest bis zur 50. Minute hat es richtig Spaß gemacht zuzusehen. Dass da nur noch 10 Mann auf dem Feld standen, ist so gut wie gar nicht aufgefallen.
Aber: Danach ist die Mannschaft wieder in alte Muster verfallen, die Spielfreude war mehr und mehr verschwunden. Lag es an den Einwechslungen? An der Umstellung? Und es kam, wie es kommen musste, das 2:1 für Borussia Mönchengladbach.
Die Aufstellung hatte mir richtig gut gefallen diesmal, mit Müller und Gravenberch, Musiala erst mal auf der Bank. Das wurde dann natürlich durch den Platzverweis über den Haufen geworfen. Müller raus, Cancelo rein, ok, kann man noch verstehen. Hat auch weiterhin alles gepasst, und wir haben diese tolle Leistung gesehen.
Warum diese Mannschaft dann nach der Halbzeit wiederum so umgestellt wurde, das habe ich bei diesem Spielstand nicht so ganz verstanden. Muss ich auch nicht. Der Spielverlauf hat ja gezeigt, dass es besser gewesen wäre, erstmal abzuwarten.
Es folgten weitere Einwechslungen, die wenigstens Kimmich wieder weiter nach vorne rücken ließen. Und zumindest wieder für ein kleines Aufbäumen gesorgt haben. Und auch wieder für etwas mehr Mannschaftsgeist. Dass sich jeder anbietet, immer anspielbereit ist, war in dieser Form lange nicht mehr zu sehen. Ebenso wie dass die Mannschaft Ideen auf dem Feld entwickelt, die nicht stur nach Lehrbuch einstudiert wurden. Eben genau das, was in meinen Augen Fußball eigentlich aus macht. Plötzlich war der Wille zum Ausgleich wieder da, wenn auch lange nicht so wie in der 1. Halbzeit. Und leider auch nur kurz, hat aber immerhin noch zum 2:3 und zu einem kleinen Schlusskampf gereicht. Aber das, was wir in der gesamten 1. Halbzeit gesehen haben, wo ist das hin verschwunden?
Manchmal kommt es mir so vor, als würde Nagelsmann mit seinen Wechseln und Umstellungen nicht so recht wissen, was er da eigentlich macht. Frei nach dem Motto: er übt ja noch.

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