Von der Tormaschine zum Spielball
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Von der Tormaschine zum Spielball: die Ware Mensch

In der Saison 2020/21 war er für viele die Tormaschine, inklusive Ungläubigkeit, wenn diese mal nicht funktionierte. Dass diese „Maschine“ ein Mensch ist, wurde manchmal sogar ganz vergessen. Was dieses Jahr aber spätestens seit der Rückrunde der Saison 2021/22 abläuft, setzt noch eines oben drauf. Erst der Vergleich Lewandowski/Haaland, der irgendwann vom Konkurrenzkampf zweier Stürmer auf dem Spielfeld zum Kampf um einen Platz im Team des FC Bayern gemacht wurde. Weiter ging es mit den ständig neuen Vereinen und Wechselgerüchten, die uns irgendwann alle genervt haben. Selbst wenn bis zu diesem Zeitpunkt Lewandowski noch nie selbst einen Verein bzw. einen Vereinswechsel aktiv ins Spiel gebracht hat, zur Last gelegt wurde es ihm trotzdem. Dass es auf dem Feld da schon längst nicht mehr wirklich bei ihm gestimmt hat, ist vielen jedoch kaum aufgefallen. „Die Maschine trifft“ war viel zu sehr in den Köpfen von Journalisten und Fans, ja sogar beim FC Bayerm selbst verankert. Zumindest öffentlich. Ab und zu hat sie ja dann doch wieder getroffen, und wenn es nur ein Elfmeter war. Kaum zu glauben, dass es beim FC Bayern niemandem aufgefallen ist, dass Lewandowski eben nicht mehr ständig seine Tore geschossen hat. Zumindest nicht mehr so, wie die Jahre zuvor. Erinnern wir uns kurz an die Zusammenstellung seiner Tore beim Ballon d’Or 2021. Fast jeder hat da gedacht, dass das nie seine schönsten Tore waren. Diese Saison hätte die Auswahl gepasst. Spektakuläre Seitrückfallzieher und ähnliches, was wir bisher von Lewandowski gekannt und geliebt haben: Mangelware. Mal ein Elfmeter, aber selbst die weniger sicher als früher, oder Tore, die jeder andere genauso hätte schießen können, aber nicht Lewandowski-like. Hat er anfangs noch versucht, sich wieder ins Spiel und System der Mannschaft einzubringen, hatte ich die letzten Wochen und Monate eher das Gefühl, dass er resigniert, Dienst nach Vorschrift. Passt eigentlich nicht zu Robert Lewandowski, der Profi durch und durch ist, dem Tore so wichtig sind, und der nach jedem Treffer gestrahlt hat, als wäre es der wichtigste überhaupt. Wenn Hassan Salihamidžić jetzt behauptet, sein Berater habe ihm schon lange den Kopf verdreht, dann würde das passen. Wissen werden es wohl nur die Beteiligten selbst. Und diese Spekulationen mag ich auch gar nicht weiter anheizen. Aber dass in Lewandowski irgendetwas vorgeht, wird wohl stimmen. Er weiß selber, dass die gerade beendete Saison nicht seine beste war, dass die Lorbeeren der vorigen Saison bald aufgebraucht sind und neue unter Nagelsmanns Spielsystem schwer zu bekommen. Gern wird Robert Lewandowski den FC Bayern sicher nicht verlassen. Was er aber vermutlich auch nicht gerne sein will, auch wenn es seinen Marktwert in die Höhe treibt, ist weiterhin ein Spielball zwischen Verantwortlichen des FC Bayern, seinem Berater und den Medien. Und mittlerweile auch den Fans. Viele wollen, dass er bleibt, wie die „Lewa bleib“-Rufe auch gezeigt haben. Viele sind von dem ganzen Hin- und Her jedoch auch genervt und machen Lewandowski selbst für alles verantwortlich. Doch Verhandlungen auf dieser Ebene laufen nun mal nicht so einfach ab. Schwierig wird es aber vor allem dann, wenn alles nach außen getragen und dort das Unterste zuoberst gekehrt wird. Der Spieler selbst kann zu diesem Zeitpunkt von Vertragsverhandlungen keine, wie von Medien gerne erhofft und von Fans gerne gefordert wird, klare Stellungnahme abgeben. Für die Verhandlungen hat er seinen Berater, der alles übernimmt. Eines wird dadurch aber vor allem deutlich. Der Mensch ist eine Ware geworden im Kaufhaus Fußball. Was er wert ist, bestimmen andere. Ist die Nachfrage da, steigt der Preis des Angebots, sprich des Fußballers. Wird er als „unverkäuflich“ dargestellt, steigt der Preis noch mehr. Und auch die Nachfrage, schließlich will jeder so etwas Wertvolles „besitzen“, usw. usw. Wenn man bedenkt, dass es sich hierbei jedoch nicht um eine Ware, eine „Tormaschine“ oder einen Gegenstand handelt, sondern um einen Menschen, finde ich diese Entwicklung im Profifußball allerdings doch sehr bedenklich.

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