Das System Nagelsmann
Bundesliga

Was haben ein schwächelnder FC Bayern und die polnische Nationalmannschaft gemeinsam?

Klar, Lewandowski. Und zwar überall. Nein, ich will damit nicht sagen, dass die polnische Nationalmannschaft nicht gut spielt. Im Gegenteil. Da ist viel Potential. Aber heute geht es um das „System Nagelsmann“. Und wenn das nicht funktioniert, wie es soll, dann findet man gerne mal einen Robert Lewandowski entweder gar nicht, weil das System nicht auf ihn zugeschnitten ist, oder eben überall. Eigentlich schaue ich mir solche Spiele gerne an, deshalb auch alle Spiele der polnischen Nationalmannschaft. Es ist faszinierend, was Robert Lewandowski außer Tore schießen noch alles kann. Und, obwohl das eigentlich überhaupt nichts Neues ist, wird er in dieser Saison gerne als der „neue Lewandowski“ bezeichnet.
Gut, beim FC Bayern ist es neu. Aber gerade da hätte ich lieber wieder den alten. Der überall da ist, wo der Ball auch nur in die Nähe vom Tor kommen könnte. Der dort auch aus ungewöhnlichen Positionen den Ball ins Netz befördert.
Eine gelbe Karte für Lewandowski nach einer Abwehraktion gegen Fürth? Ein Foul? Und Meckern? Ernsthaft? Das ist nicht der Lewandowski, wie wir ihn kennen. Der Lewandowski, der wie einst Alex del Piero in Italien eher den Fuß wegzieht, als sich eine gelbe Karte abzuholen. Dem man zwar deutlicher als jedem anderen ansieht, was er denkt, der das aber selten auf dem Platz artikuliert. Irgendwas stimmt da nicht im System.
Gladbach, Augsburg, Bochum, Salzburg, auch Fürth – Sieht man diese Spiele im Gesamtkontext, stehen ihnen zahlreiche souveräne Siege mit absoluter Überlegenheit gegenüber. Davon können andere Vereine nur träumen. Und doch, langsam bröckelt beim FC Bayern etwas, das bisher als feste Wand angesehen wurde. Das „System Nagelsmann“. Schon vor etwas mehr als 5 Monaten habe ich mich gefragt, ob das gut geht. Inzwischen hat sich gezeigt, dass das System durchaus funktioniert. Aber eben, wie befürchtet, leider nicht immer. Und immer seltener. Mir fehlt die Kreativität der Spieler, mir fehlen die Ideen, mir fehlt ein Umschalten, wenn das System nicht funktioniert. Das Interview von Julian Nagelsmann nach dem Spiel gegen Greuther Fürth war beeindruckend: 4-2-1, Spieler vor dem Ball, Spieler hinter dem Ball, flache 4 und 2 6er davor, tiefer Gegner 4 gegen 8, Flanken gegen die fallende Kette…Ah, ja. Früher hat es mal geheißen, „wir hatten Pech, und dann hat uns auch noch das Glück gefehlt.“
Julian Nagelsmann ist ein Theoretiker. Ist ja auch ok, stimmt natürlich alles, was er sagt. Es mag vielen auch gefallen, das Spiel so aufzudröseln. Solange es funktioniert, steht dem auch nichts entgegen – aber Fußball ist eben Fußball, da steht der reinen Theorie nämlich doch der Faktor Mensch entgegen. Und zwar beim Gegner genauso wie beim FC Bayern selbst.
Schon in meinem damaligen Blog-Beitrag zum „System Nagelsmann“ habe ich gesagt, dass mir die Ideen der Spieler fehlen, schneller umzuschalten. Und damit meine ich nicht, das „Umschaltspiel“ auf dem Feld. Sondern das im Kopf. Wo ist Plan B? Muss den erst der Trainer in der Halbzeit als neues „Motto“ ausgeben? „System 1 klappt heute nicht, nehmen wir System 2?“
Auch ich habe seit meinem Blog-Beitrag im Oktober 2021 etwas dazugelernt. Damals hatte ich noch Sorge, was passiert, wenn das System bei einem stärkeren Gegnern nicht funktioniert. Mittlerweile denke ich aber, es sind gerade die vermeintlich schwächeren Mannschaften. Denn genau die lassen sich so ein System nicht aufdrängen, während manch stärkeres Team vielleicht in ähnlichen Strukturen und Systemen denkt. Solange man die Spiele noch relativ souverän gewonnen hat, mag dieses fehlende Puzzleteil im System noch nicht so aufgefallen sein. Mittlerweile wird es, denke ich, deutlicher. Erst wenn sich wirbelnde, aufmüpfige Gegner müde gespielt haben, dann kommt die Souveränität des FC Bayern wieder durch. So gesehen gerade gegen Fürth. Kurz davor gegen Salzburg. Doch das funktioniert nicht immer.

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